Grüner Star (Glaukom)

Das Glaukom ist eine ernstzunehmende Krankheit, die die Sehkraft beeinträchtigen kann. Ist sie jedoch einmal diagnostiziert, kann sie erfolgreich behandelt und weitergehende Schäden für die Augen meist vermieden werden.

 

Physiologie des Auges

Um die Linse und die Hornhaut zu ernähren, wird im Inneren des Auges ständig Kammerwasser produziert, welches durch eine porige Filterstruktur, genannt Trabekelwerk, in die Venen, die das Auge umgeben, abfließt.

 

Was ist das Glaukom?

Das Glaukom ist durch den Einfluss vieler Umweltfaktoren in den letzten Jahren weit verbreitet. Die zur Risikogruppe gehörenden Patienten sollten halbjährlich die Augen kontrollieren lassen.

 

Bei einem Glaukom ist der Kammerwasserabfluss gestört, als Resultat steigt der Druck im Auge an und beeinträchtigt auf längere Sicht die Sehfähigkeit. Wird der Druck nicht normalisiert, droht die  Erblindung, denn die Durchblutung des Auges muss gegen diesen inneren Druck erfolgen und vermindert sich dadurch, was zu Schäden, besonders am Sehnerven, führt.

 


So sieht mein Praxisschild bei normalem Gesichtsfeld aus.

 


So sieht es aus, wenn Ihr Gesichtsfeld geschädigt ist.

Die häufigste Form des Glaukoms ist das so genannte Offenwinkelglaukom. Dabei ist der Druck im Auge ständig, individuell gesehen, zu hoch, und hinterlässt somit Schädigungen am Sehnerven. Das Gefährliche daran ist, dass der Patient keine Schmerzen oder Warnzeichen bemerkt, so dass die Krankheit unbemerkt fortschreiten kann.

 

In einigen Fällen kommt es auch zu Schädigungen des Sehnervens, obwohl der Augeninnendruck normal erscheint, man spricht hier vom sogenannten Niederdruckglaukom.

 

Das Winkelblockglaukom ist eine schnelle und starke Druckerhöhung im Auge. Bei diesem akuten Anfall treten im Gegensatz zum chronischen Glaukom Beschwerden wie z.B. Rötung des Auges, Visusminderung oder sogar Übelkeit, welche bis zum Erbrechen führen kann, auf. Um eine Erblindung zu vermeiden, muss der Augeninnendruck schnellstmöglich gesenkt werden. Diese akuten Glaukomanfälle treten häufig im Rahmen einer Regenbogenhautentzündung (Iritis), einem fortgeschrittenen Diabetes und als Komplikation durch Gefäßverschlüsse auf.

 

Risikofaktoren an einem Glaukom zu erkranken:

Untersuchungsmethoden zur Erkennung und
Verlaufskontrolle des Glaukoms:

Augendruckmessung

Bei der Non-Kontakt-Tonometrie wird ohne das Auge zu berühren, der Augendruck gemessen. Bei der Applanationstonometrie handelt es sich um eine Methode zur Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie). Die am weitesten verbreitete Form ist die Applanationstonometrie nach Goldmann.

 

Prinzip:

Die Messung erfolgt direkt mit blauem Licht zentral auf der Hornhaut mit einem beweglich gelagerten Messköpfchen des Tonometers, das an einer Federwaage befestigt ist. Der Augendruck des Patienten wirkt als Gegendruck und verdrängt das Tonometer-Köpfchen nach hinten, so dass man den Augeninnendruck ablesen kann.

 

Pachymetrie (Hornhautdickenmessung)

Je nach Dicke der Hornhaut muss der gemessene Augendruck individuell angepasst werden.

 

Gonioskopie

Mit der Gonioskopie kann der Kammerwinkel näher betrachtet werden, was für die Einteilung des Glaukomtypes wichtig ist.

 

GDx

Mit den herkömmlichen Untersuchungsmethoden ist das Glaukom erst sehr spät erkennbar, wenn bereits mindestens 30% Sehnervenschädigung vorliegen. Diese nicht wieder zu behebenden Schäden können durch neuere Untersuchungsmethoden eher entdeckt und somit meistens verhindert werden.

 

Zum Beispiel durch das Gdx (= Messung der Nervenfaserschichtdicke) können Frühschäden aufgedeckt und frühzeitig weitergehende Schäden verringert oder vermieden werden.

Durch den erhöhten Augeninnendruck wird die Nervenfaserschicht der Netzhaut zusammengedrückt, und somit langsam zerstört. Sie weist bei fortschreitender Glaukomerkrankung eine zunehmende Ausdünnung und/oder lokale Veränderungen auf.
Da die Nervenfaserschicht aber sehr schwierig zu erkennen ist - die Netzhaut als solche ist durchsichtig -, ist die Gdx-Untersuchung so hilfreich.

 

HRT = Heidelberg Engineering Topographie

Schichtaufnahme des Sehnervenkopfes:
Bei festgestelltem Glaukom ist es sinnvoll, jährlich als Verlaufskontrolle eine lasergestützte Darstellung des Sehnervenkopfes zu erstellen.
Durch eine spezielle Laserschichttechnik wird der Sehnervenkopf dreidimensional ausgemessen und im Vergleich zum Normalbefund dargestellt. Damit können bei Verlaufskontrollen Veränderungen ab 3% Zunahme festgestellt werden.
Diese Messergebnisse ermöglichen eine optimale Kontrolle der Behandlung und haben somit einen positiven Einfluss auf einen guten Therapieerfolg, da man sofort auf eine Verschlechterung des Befundes reagieren kann.

 

VEP = visuell evozierte Potentiale

Das VEP ermittelt die Leitungsgeschwindigkeit vom Auge zum Gehirn.
Die Leitungsgeschwindigkeit ist z.B. beim Glaukom und bei MS verlangsamt.

 

Gesichtsfeldmessung

Die Gesichtsfeldmessung ist für die Diagnose des Glaukoms wichtig, da sie uns zeigt, ob es schon zu Einschränkungen im Gesichtsfeld gekommen ist.

Das spezielle blau-gelb Gesichtsfeld eignet sich zur Früherkennung von Gesichtsfeldausfällen beim Glaukom.

 

Fundusfotografie zur Verlaufskontrolle

Veränderungen des Augenhintergrundes, die bei der Ophthalmoskopie gesehen werden, lassen sich zwar beschreiben, jedoch sind geringe Änderungen im Verlauf aufgrund dieser Beschreibung nicht sicher zu identifizieren. Die Dokumentation von sichtbaren Veränderungen des Augenhintergrundes zur besseren Vergleichsmöglichkeit zum Vorbefund ist die wesentliche Aufgabe der Fotografie des Augenhintergrundes, die oft als Fundusfotografie bezeichnet wird.

 

Glaukomdiagnose

Nicht selten wird ein Glaukom bei einer routinemässigen Untersuchung festgestellt.
Der Augeninnendruck wird in der Praxis durch Eindellung der Hornhaut gemessen (Applanationstonometrie oder Non-Contact-Tonometrie). Der Widerstand der Hornhaut wird umgerechnet und ergibt den Druckwert. Bei einer dünnen Hornhaut wird hiermit ein zu niedriger Augeninnendruck gemessen und bei einer dicken Hornhaut ein zu hoher. Der in der Praxis gemessene Augeninnendruck muss dementsprechend korrigiert werden.
Die Hornhautdicke wird mittels der Pachymetrie festgestellt.

 

Untersuchung des Sehnervens


Ein Sehnervenkopf mit starker Exkavation (Aushöhlung). Dieses Bild sieht der Augenarzt durch die Spaltlampe oder - wie hier - durch eine auf die Spaltlampe aufgesetzte Kamera.

Auch der Sehnerv muss bei der Glaukomuntersuchung mit beurteilt werden. Eine Aushöhlung am Sehnerven oder Veränderungen an den Augengefäßen können Hinweise auf eine Druckschädigung sein (siehe Bild).
Dabei beurteilt der Arzt mit einem Ophthalmoskop den Augenhintergrund.

 

Untersuchung des Kammerwinkels zwischen Hornhaut und Iris (Gonioskopie)

Mit einer Speziallinse, dem Gonioskop, das auf die betäubte Hornhaut aufgesetzt wird, kann der Arzt über einen Spiegel den Abflusswinkel und den Aufbau der Abflussstruktur, beurteilen.

 

Prüfung des Gesichtsfeldes:

Eine Gesichtsfelduntersuchung, auch Perimetrie genannt, prüft, ob auf Lichtreize im gesamten Gesichtsfeld gleich gut reagiert wird.

 


Eine Gesichtsfelduntersuchung nach Goldmann. Heute ist diese Untersuchung weitgehend computergestützt.

Der Patient sitzt dabei vor einem halbkugelförmigen Schirm, wobei ein Auge abgedeckt wird. Mit dem anderen Auge schaut der Patient in das Halbkugelzentrum, in welches bewegte Lichtpunkte hineinprojiziert werden. Der Patient muss Lichtreize unterschiedlicher Größe und Intensität beurteilen.

 

Durch Bestätigung der gesehenen Lichtpunkte per Knopfdruck, erhält man eine Übersicht, ob, und wie starke Schädigungen, bereits vorliegen.

 

Behandlung:

Zur Normalisierung des erhöhten Augeninnendruckes sowie zur Verhinderung von Schädigungen des Sehnerven, ist eine Senkung der Kammerwasserproduktion und damit des Augeninnendruckes erforderlich. Hierzu können augendrucksenkende Tropfen oder im Ausnahmefall Tabletten verschrieben werden.
Zur Abflussverbesserung stehen ebenfalls Augentropfen zur Verfügung. Sollte trotz medikamentöser Therapie keine ausreichende Senkung des Augeninnendruckes erreicht werden, kann oftmals mittels Laserbehandlung oder einer Operation eine Drucksenkung erreicht werden.

 

Wichtig!!!

Auch nach einer Normalisierung des Augeninnendrucks ist die Fortsetzung der medikamentösen Therapie in jedem Fall erforderlich, da nach Absetzen der Tropfen der Augeninnendruck wieder ansteigt und weitere Sehnervenschädigungen hinterlässt. Die medikamentöse Senkung des Augeninnendruckes ist dementsprechend eine Dauertherapie.
Je nach Art und Schweregrad des Glaukoms werden individuell verschiedene Augentropfen verschrieben.

 

Anwendung der Tropfen

Benutzen Sie die Tropfen am einfachsten vor einem Spiegel. Legen Sie dazu den Kopf in den Nacken, ziehen Sie das Unterlid leicht vom Augapfel ab und lassen einen Tropfen in die dabei entstehende Lidtasche fallen.

 

Wichtig für Betroffene!!!

Am wichtigsten ist für die betroffenen Patienten die regelmässige Anwendung der verordneten Augentropfen. Außerdem sollten Sie in jedem Fall alle drei Monate zur Kontrolle Ihres Augeninnendruckes zum Augenarzt gehen.
Alle 6 Monate wird eine Kontrolle des Gesichtsfeldes durchgeführt.
Einmal im Jahr empfehle ich eine Untersuchung mit dem HRT II (Heidelberger Retina-Tomograph) zur Verlaufskontrolle.

 

Laser

In einigen Fällen hat die medikamentöse Behandlung leider nicht den gewünschten Erfolg oder muss auf Grund der Nebenwirkungen abgebrochen werden.
In solchen Fällen kann zur Drucksenkung eine Laserbehandlung (z.B. Trabekuloplastik) durchgeführt werden. Bei der Trabekuloplastik wird die Porengrösse im Trabekelwerk wieder vergrößert.

 

Operation (z.B. Trabekulektomie)

Sollte eine medikamentöse Behandlung erfolglos bleiben oder das Laserverfahren nicht angewandt werden können, wird der Arzt eine Operation in Betracht ziehen. Diese wird in der Regel stationär durchgeführt.
Bei der Trabekulektomie wird operativ ein neuer Abfluss für das Kammerwasser geschaffen.